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Ein ,,zunehmendes" Problem

16.12.2020

Selbsthilfegruppe für Adipositas-Erkrankte trifft sich in Brilon

Ess-, Gewichts- und Bewegungsprobleme bei Kindern und Erwachsenen sind massiv im Steigen begriffen und haben somit Auswirkungen auf viele Bereiche des Lebens. Gerade Menschen, die unter Adipositas leiden, haben neben der Fettsucht mit einer Vielzahl von Zivilisationserkrankungen zu kämpfen. Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Probleme, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Arthrose oder auch ein erhöhtes Krebsrisiko sind häufig Adipositas-Folgeerkrankungen, die zu einem frühzeitigen Tod führen können.

„Bei uns in der Selbsthilfegruppe wird Menschen mit Übergewicht geholfen, die meist einen BMI (Body-Mass-Index) von 35 bis 40 oder sogar höher haben. Jeder der unter Adipositas leidet, kann zu uns kommen“, so Sarah Wiese, Leiterin der Adipositas Selbsthilfegruppe im Maria-Hilf Krankenhaus Brilon. 
Die Schmerztherapeutin und angehende Heilpraktikerin begleitet, unterstützt und hilft Menschen, die unter Adipositas und den damit verbundenen Erkrankungen leiden, bis hin zur Magenoperation mit anschließender Nachsorge. „Wenn Adipöse zu uns kommen, müssen sie zuerst an dem multimodalen Konzept zur Behandlung von Übergewicht teilnehmen. Das dient zur Vorbereitung auf die Magenverkleinerung“, erklärte die Therapeutin.

Insgesamt sechs Monate dauert das kostenlose Programm, das auf Gewichtsreduktion und Umstellung der Lebensgewohnheiten abzielt. Es umfasst eine Ernährungsberatung mit anschließender Ernährungsumstellung, Bewegungstherapie, Ernährungsmedizin, Gespräche mit einem Psychologen sowie die Teilnahme an der Selbsthilfegruppe. Das Konzept verfolgt somit nicht nur einen Ansatzpunkt, sondern kombiniert mehrere Ursachen für die Adipositas. Erst nach der Teilnahme an dem multimodalen Programm können die Teilnehmer ihren Antrag bei der
Krankenkasse für eine Magenverkleinerung stellen, immer mit Unterstützung durch Gruppenleiterin Sarah Wiese.

„Bei uns läuft alles auf Vertrauensbasis. Es wird niemand gewogen und vorgeführt. Das oberste Motto lautet: Alles was in der Gruppe gesagt wird, bleibt auch in der Gruppe“, hob Sarah Wiese deutlich hervor. Dabei ist laut der Gruppenleiterin ein individuell auf die adipöse Person abgestimmter Ernährungsplan genauso entscheidend, wie das anschließende Führen eines Tagebuchs. 

Die Evaluierung (Blutuntersuchung, EKG, Magenspiegelung usw.) nach einem positiven Bescheid der Krankenkasse sei folgend der nächste Schritt in Richtung Operation. Dabei dürfe keine Essstörung wie Bulimie, Sweat Eater (Süßesser), Big Eater (Großesser) oder Binge Eating (Zwangsesser) vorliegen. Darum sei gerade der Besuch beim Psychologen sehr wichtig, erklärte die Therapeutin. „Bevor es schließlich zur Magenverkleinerung kommt, steht jedoch noch eine zweiwöchige Eiweiß-Phase zur Leberverkleinerung an, bei der keine Kohlenhydrate gegessen werden dürfen“, ergänzte Sarah Wiese.

Der große, entscheidende Einschnitt im Leben eines Adipösen sei dann die laparoskopische Magenverkleinerung durch Dr. Martin Pronadl, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie. Je nach Patient wird in einer einstündigen Operation ein Schlauchmagen gebildet und 90 Prozent des Magenvolumens werden entfernt. Die zweite Methode ist die Bypass-Operation, wobei der Magen wenige Zentimeter unterhalb des Mageneingangs abgetrennt wird. Es verbleibt so ein kleiner Restmagen, der als Bremse für die zugeführte Nahrung dient. Der ebenfalls durchtrennte Dünndarm wird schließlich mit dem Restmagen verbunden. Somit wird laut dem Chefarzt die Nahrungspassage verkürzt und es wird weniger Nahrung verdaut.

„Nach der Operation ist die Selbsthilfegruppe anschließend fast noch wichtiger als vorher, da das Vorprogramm lebenslang laufen muss. Gerade der Sport muss bei Adipösen systematisch in den Lebensplan eingearbeitet werden“, erklärte Sarah Wiese abschließend.

Das Treffen der Adipositas Selbsthilfegruppe findet jeden zweiten Dienstag im Monat von 19 bis 21 Uhr im Briloner Maria-Hilf Krankenhaus statt. Aufgrund von Corona laufen die Treffen derzeit jedoch per Zoom-Meeting ab.
Wer weitere Informationen wünscht, kann sich bei Sarah Wiese unter 0170 - 3165990 melden oder direkt Kontakt zum Krankenhaus unter 02961-780-1367 aufnehmen.


Textquelle: Claudia Metten, Sauerlandkurier

Bildquelle: axo.media west GmbH/Jürgen Eckert

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